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November 01, 2007

Theater Heute November 2007

UMGEKEHRTER
MARSHALLPLAN

Das German Theatre Abroad begibt sich mit Roland Schimmelpfennigs «Start Up» im Gepäck auf Straßentheatermission in Amerika


Der Kulturaustausch beginnt mit einem hellgrün lackierten Schulbus, der vor das New Yorker Off-Spielhaus P.S. 122 vorfährt. «Road Theater USA» verkündet das solide Vehikel der deutschen Theatergruppe GTA (kurz für «German Theater Abroad») in selbstbewussten Großbuchstaben. Zwei Monate lang soll es die Ensemblemitglieder 6ooo Meilen weit und über 23 Zwischenstationen quer durch Amerika transportieren.



Drei enthusiastisch aus dem Bus springende Schauspieler verteilen bei der New Yorker Premiere erst einmal Deutschlandfähnchen unter den wartenden Zuschauern. Roland Schimmelpfennig hat eigens für diese Theaterexpedition das Stück «Start Up» verfasst, das das durchaus romantische Anliegen des GTA selbstironisch widerspiegelt. Die bettelarmen Kreativen Kati (Lisa-Marie Janke), Rob (Nils Nelleßen) und Micha (Nicolai Tegeler) versuchen darin, ein deutsches Theaterhaus in der amerikanischen Provinz zu gründen und mieten zu diesem Zweck ein Ladengeschäft. Der Logik des amerikanischen Einwanderertraums folgend, wollen sie Kapital aus ihrer nationalen Identität schlagen. Der schwarze Hausbesitzer Ike hat für dieses zugleich utopische und unwirtschaftliche Unternehmen wenig Verständnis, fasst aber Zuneigung für seine neuen Mieter und versucht sie davon zu überzeugen, eine rentable Videothek zu eröffnen. Auch über diese erfrischend respektlose Parodie hiesiger Pionier-Mythen hinaus bekommen die amerikanischen Zuschauer von «Start Up» einiges zu schlucken: Der lockere, postdramatische Berliner Schauspielstil mit seinen lang hingezogenen Nonsens-Dialogen über Popkultur und 70er-Jahre-Kino ist selbst in New York noch fremd. Das spartanische Second-Hand- Bühnenbild und die Live-Videoeinspielungen aus dem GTA-Bus, die sich im Lauf der Tour mit Reiseerinnerungen anreichern sollen, tun ein übriges. Mit ihren Anleihen an Gob Squad und René Pollesch wirkt GTAs «Start Up»-Inszenierung ein bisschen wie eine abgespeckte Version des Berliner Praters – eine Ästhetik, die im Kalkül liegt.



Wie Regisseur Ronald Marx berichtet, hatte er das GTA vor elf Jahren gerade mit der Idee gegründet, in Amerika für den deutschen Theaterstil und seine Autoren ein Publikum zu schaffen. «Wir machen keine Folklore», erklärt er. Ein – für amerikanische Verhältnisse – gutes Maß an ästhetischer Provokation gehört zum Programm. In den Publikumsgesprächen bei Freibier nach den Aufführungen sorgt das für Gesprächsstoff. «Start Up» lässt am Ende offen, ob die drei Theateridealisten mit ihren Plänen Erfolg haben. Kati bleibt bei Ike und gründet tatsächlich eine Videothek. Micha und Rob ziehen zusammen mit Ikes Tochter Liz in die nächste amerikanische Stadt weiter, um es dort neu zu versuchen. Auf eine definitive Antwort wird man bis Anfang März 2008 warten müssen, wenn GTA ins Haus der Berliner Festspiele zurückkehrt. Schimmelpfennig wird dafür einen Prolog schreiben, der sowohl das Schicksal seiner Protagonisten auflöst als auch die Mission des GTA resümiert. Unter http://www.roadtheatre.org/ kann jeder im Netz dabei sein.

DANIEL SCHREIBER

2 comments:

radapunk said...

What a great resource!

clomid

hiciscat said...

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